Vom Umgang mit DrawDowns

[Der Artikel erschien zuerst im Newsletter 02|2019. Lies den ganzen Newsletter hier]

Verluste sind etwas Widerliches. Sie schmerzen, mental, manchmal sogar körperlich. Und sie können dich völlig aus der Bahn werfen. Lassen sich Verluste vermeiden? Manchmal ja, manchmal nein. Aber – wenn ja, wie? Die alles entscheidende Frage dabei ist: “Wie gehen wir mit Verlusten um?” Die Antwort darauf kann uns einen Weg aufzeigen, wie man dem nächsten Verlust aus dem Weg gehen kann (wenn er denn überhaupt vermeidbar ist), oder wie man ihn mindern und seine Auswirkungen abfedern kann.

[Anmerkung: ich spreche hier über materielle/ finanzielle Verluste beim Trading. Der Begriff “Verlust” soll hier in keiner Weise als zwischenmenschliches Ereignis aufgefasst und diskutiert werden!]

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Welche Tipps kann ich dir auf deinen Weg mitgeben?

Im freien Fall

 

DIE Frage, die du dir in dem Zusammenhang stellen musst, ist:

WAS bin ich? Bin ich Trader oder Loser?

Bist du Loser, wird es sehr schwer! Ich kann dir dann nicht mehr weiterhelfen. Klingt hart, ist aber so! Warum, will ich hier jetzt auch nicht näher erklären. Sieh es einfach als gegebene Tatsache an.

ABER – ICH GLAUBE NICHT, dass du ein Loser bist. Dann wärst du nämlich nicht HIER, würdest diesen Beitrag nicht lesen. Und würdest dir keine Gedanken um dein Trading machen. NEIN, du bist kein Loser, du bist ein Trader. Ein Trader, der wissen will, wie er mit einem Verlust umgeht. Und hier kommen Just My Two Cents:

Im Grund läuft alles auf zwei Schritte hinaus…

⓵ Erkenne, dass ein Verlust manchmal unvermeidlich ist

Verluste im Trading sind genauso abwendbar wie blaue Flecken, Schürfwunden und zerfetzte Hosen beim Fahrradfahren.

Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die voll Stolz erzählen, dass sie schon 50 Jahre unfallfrei unterwegs sind. Abgesehen davon, dass es dann besser ist, mit einem Lächeln “jajaaa” zu sagen oder ihnen den Tip zu geben, doch mal die Stützrädchen abzunehmen: diese Menschen hatten einfach unglaubliches Glück, wenn es tatsächlich stimmen sollte! Denn – Hand aufs Herz – du kannst noch so durchtrainioert sein, umsichtig fahren, defensiv und vorausschauend, nüchtern und ohne Smartphone an der Ohrmuschel — irgendein Verrückter oder vielleicht auch ein freilaufender Hund kann und wird dich finden

Im Trading: Nur wenn du von vornherein mit diesem Wissen, dass Drawdowns zum System “dazugehören” und eher die Regel als die Ausnahme sind, an den Börsenhandel herantrittst, kannst du den ersten, lähmenden Schock vermeiden. Wer angesichts eines drohenden oder erlittenen Verlustes in Depressionen verfällt, Angstzustände durchlebt und einen mentalen Absturz erleidet, ist definitiv für dieses Geschäft ungeeignet.

⓶ Analysiere deinen Verlust

Diese Aufgabe dürfte ebenso schwierig sein wie die erste. Vor allem ist sie umfangreicher! Analysiere deinen Verlust – völlig objektiv und unvoreingenommen! Und vermeide dabei Bullshit- Phrasen “Ich hätte nur …”, “Wäre ich doch…” oder “Ich müsste halt…”. Die erste Frage, die es hier zu beantworten gilt ist:

HABE ICH EINEN FEHLER GEMACHT ?

Habe ich einen vermeidbaren Fehler gemacht? Bin ich von meinem Plan abgewichen, bin ich aus meinem System ausgestiegen, war ich zu gierig, zu ängstlich, zu zögerlich, zu überheblich und selbstsicher? Habe ich davon geträumt, dass der Markt gleich wieder dreht, weil: er MUSS DOCH …

(nebenbei bemerkt: der Markt muss gar nix!, dem Markt ist es nämlich ziemlich sch…egal, was du denkst, und doppelt sch…egal, was du über IHN denkst! Er weiß nicht mal, dass du überhaupt da bist.)

Wenn du nach der Rückschau auf deinen Trade auch nur auf EINE dieser Fragen, ganz objektiv, mit “JA” antworten kannst, hast du das nächste Ei an der Backe:

ÜBERNIMM DIE VERANTWORTUNG

Werde dir dessen bewusst, dass du einen Fehler gemacht hast und übernimm die Verantwortung dafür. Das bedeutet jetzt nicht, dass du mit dem Kopf solang auf die Tischkante schlagen sollst bis es weh tut (oder der Tisch zusammenbricht), auch nicht, dass du laut brüllend aus dem Haus rennen sollst.

Aber es bedeutet, zuzugeben, dass kein anderer Schuld hat – nicht der Markt (siehe oben), nicht dein Broker und auch nicht deine Katze (lass das arme Tier in Ruhe und gib ihr was zu essen)! Wenn du zum Ergebnis kommst, dass du einen Fehler gemacht hast, gestehe DIR den Fehler ein.

Und damit hat sich’s auch für’s erste! Kein Grund, mit dem Büßergewand rumzulaufen, kein Grund, dir für die nächsten tausend Jahre Kaffeeverbot zu erteilen. JEDER macht mal Fehler (vielleicht sogar ich).

Damit ist aber noch nicht Schluss. Jetzt kommt nämlich das wichtigste:

LERNE AUS DEINEM FEHLER

Das ist schon wieder leicht gesagt, aber nicht immer auch leicht getan. Wo lag dein Fehler? War es eine Fehleinschätzung in deiner Strategie? Falls deine Strategie neu und wenig erprobt ist, wäre dies sehr wohl eine Möglichkeit. In diesem Fall kommt eine Menge Arbeit auf dich zu.

Oder lag der Fehler bei dir? Auch in diesem Fall kommt eine Menge Arbeit auf dich zu – aber jetzt ist es eine ANDERE ART von Arbeit. Jetzt kommt viel Psychologie- Arbeit auf dich zu. Du musst nicht an deiner Strategie arbeiten – du musst AN DIR arbeiten. Und das kann schwer werden…

ABER: „ICH KANN KEINEN FEHLER FINDEN !“

Wenn die Analyse deines Minus- Trades aber ergibt, dass du offenbar KEINEN Fehler gemacht hast, dann gibt es natürlich auch keinen Grund, etwas zu ändern! Du hast dich an deinen Plan gehalten, Grundregeln des Risiko- und Moneymanagements wurden nicht verletzt und dein System hat in anderen Situationen seine Zuverlässigkeit bewiesen. Denn – wie ich unter (1) aufgeführt habe: es GIBT EBEN TRADES, DIE SCHIEF GEHEN! 

 

Damit leben du musst!

Was jetzt?

Hinfallen → Aufstehen → Krone richten

 

Auch Erklärungen (“Ich HÄTTE hier aus dem Trade aussteigen können”, “WÄRE ich nur einen Tag früher eingestiegen …” oder, noch schlimmer “HÄTTE ich diesen Stopp hier NICHT gehabt…”) helfen nicht weiter! Die führen mit Sicherheit beim nächsten mal wieder ins Verderben.

Wenn du ein korrektes Risikomanagement gefahren bist und deine Stops überwacht hast, hast du in diesem Trade ca. 2% deines Tradingkapitals verloren. Also: auch wenn du mehrere Verluste hintereinander hinnehmen musstest, kann dein Tradingkapital nicht auf dem Spiel stehen. 

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Und jetzt kannst du auch die Eingangsfrage nach Trader oder Loser beantworten.

Ein Trader macht Gewinne UND Verluste. Er ist sich jederzeit bewusst, dass BEIDES zum Trading dazugehört, und er tradet beides mit dem selben Mindset. Er analysiert seine Gewinne und seine Verluste. Er lebt mit systemimmanenten Verlusten, ohne daran zu zerbrechen oder in einen „TILT“ – Modus zu wechseln. Er erkennt aber selbstverursachte Verluste, erkennt seine Fehler im Verlustfall, steht dazu und lernt daraus. Er vermeidet, die selben Fehler wieder und wieder zu machen und wächst mit jedem Fehler.

Und der Loser:

JA! Er weiß, wer genau [und sofort], wer schuld an den Verlusten hat. Natürlich ist es der Markt, das Wetter oder Außerirdische… . Er weiß genau, dass ER keine Schuld hat und auch nichts ändern braucht. Und er weiß, dass all die Ignoranten, die am Markt unterwegs sind, das einsehen müssen – und sich entsprechend zu verhalten haben.

Du bist aber nicht so!!! Du hast dich entschieden, den Weg des erfolgreichen Traders zu gehen und profitabel an den Futuresmärkten zu handeln. Du weißt genau was du willst und InsiderWeek unterstützt dich dabei mit all seiner Erfahrung! 

Happy Trading!

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